Die Grauwackenzone

Überschreitet man von Norden, dem Österreichischen Weitwanderweg 05 folgend, die Kalkalpen, so erreicht man die sogenannte Grauwackenzone. Diese ist eine unterschiedlich breite, gewundene, OW verlaufende Gesteinszone in Österreich. Der östliche Teil erstreckt sich von Ternitz bis Schladming, der westliche Teil weiter nach Westen bis Innsbruck bzw. mit schmalen Ausläufern bis Landeck.

Diese Grauwackenzone baut sich aus Gesteinsserien auf, die im Erdaltertum, dem sogenannten Paläozoikum, lange vor der Zeit der Dinosaurier, abgelagert wurden. Die Ablagerung erfolgte unter anderem durch Flüsse, Vulkanausbrüche oder auch Meeresablagerungen. Diese Gesteine wurden in weiterer Folge durch Gebirgsbildungsprozesse deformiert, verfaltet und verfrachtet und zum Teil auch im mineralogischen Aufbau verändert. So waren z. B. die Gesteine des Steirischen Erzberges, der dieser Zone angehört, ursprünglich Kalkablagerungen. Im Laufe der geologischen Zeiten wurde das Kalziumkarbonat durch heiße aufsteigende Eisenchlorid Lösungen in Eisenkarbonat zum jetzigen Siderit umgewandelt.

Obwohl die Grauwackenzone ein an Bodenschätzen reiches Gebiet ist, haben diese Lagerstätten heute aus wirtschaftlichen Gründen nur noch untergeordnete Bedeutung.

Für interessierte Wanderer ist aber z. B. das Gebiet um den Hochkönig sicher interessant. Hier wurde in grauer Vorzeit Kupferabbau betrieben. Mit den damaligen Mitteln konnten pro Tag nur wenige cm im Stollen vorangetrieben werden.

Nach der Bronzezeit geriet der Bergbau wieder in Vergessenheit und wurde erst 1827 wiederentdeckt.

Karl Lukan, ein Heimatforscher und Büchermacher, wie er sich selbst nannte, beschreibt in seinem Buch "Alpenwanderung in die Vorzeit" wie sich diese Wiederentdeckung des Kupferbergbaues zugetragen hat.

Im Jahre 1827 fuhr ein Bauer mit seinem Wagen die steile Straße zur Mitterberg-Alpe hinauf und merkte plötzlich, daß einer der aufgeladenen Brotlaibe den Hang hinabgekollert war. Sein Schwiegersohn wollte ihn holen und stand plötzlich vor einigen Trümmern goldig-glänzenden Erzes. Gold! Natürlich stopften sich sofort beide Männer die Taschen voll. Die Bäuerin wurde allmählich unruhig und schickte den Knecht aus. Auch er stopfte sich die Taschen voll. Also wurde die Magd ausgeschickt, welche ebenfalls sofort zur Goldsucherin wurde. Nicht nur die Taschen, auch die Schürze und die zugebundenen Rockärmel wurden gefüllt. Die Enttäuschung kam später: Das vermeintliche Gold war bloß Kupfer. Bloß Kupfer!

Aber für einige Zeit war das Metall den Menschen bei der Mitterberg-Alpe dann doch wieder von Nutzen.

Wenn nach der Bronzezeit wahrscheinlich das aufkommende Eisen für die Schließung des Kupfer-Bergbaues verantwortlich war, so waren es Rentablilitätsgründe die 1977 zu einer Schließung des Betriebes führten.

Dasselbe Schicksal erlebte der Silberabbau in der Gegend um Schwaz in Tirol, wo es auch im vorigen Jahrhundert zur Schließung kam.

Der Magnesit Abbau in Hochfilzen ist bis heute in Betrieb. Der feuerfeste Baustoff wird noch gewinnbringend produziert.

Auch am Erzberg in der Steiermark wird noch abgebaut.

Für Wanderer ist die Grauwackenzone, ob westliche oder östliche, ein einladendes Gebiet, das sich vor allem durch sanfte Kuppen und rundliche Berge auszeichnet, die keine allzu großen körperlichen Anstrengungen erfordern (hoffentlich stimmt das auch und es kommt niemand ins Schwitzen!).

Autor: MMag., Dr. Norbert Kohlmayer

Geologische Karte Österreich Geologie.ac.at

WeitwanderInnen in Österreich kommen auf den Weitwanderwegen 01, 02, 05, 08, 09, 10, NÖLRWW, STRWW und einigen Anderen (es folgen mit der Zeit Ergänzungen) mit der Grauwackenzone in Berührung.

Das Foto unten zeigt den Erzberg bei Eisenerz in der Grauwackenzone, Steiermark, Perspektive vom Polster-Gipfel. Rechts vom stufenförmigen Erzberg ist die Stadt Eisenerz zu sehen. Das hohe Gebirge hinter der Stadt ist die Kaiserschildgruppe mit den Gipfeln Kaiserschild (2.085 m) und Hochkogel (2.105 m).

Erzberg bei Eisenerz in der Grauwackenzone, Steiermark