Die Rhenodanubische Flyschzone

Der Weitwanderweg 04 verläuft am Nordrand der Alpen. Dieser Bereich baut sich geologisch im Wesentlichen aus Sandsteinen und Mergeln auf und erstreckt sich vom Rhein bis zur Donau. Die Gesteine werden nach einem Schweizer Ausdruck Flysch genannt, daher auch die Bezeichnung Rhenodanubische Flyschzone. Von der Gestalt her unterscheiden sich die Voralpen von den südlicher gelegenen Kalkalpen durch ihre sanften, bewaldeten Hügel und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Entstehungsgeschichte reicht weit in die geologische Vergangenheit zurück. Das jetzt als Sandstein vorhandene Gestein war ursprünglich von Flüssen ins Meer transportierter Sand, der, in tiefe Bereiche abgerutscht, typische, unterschiedlich dicke Schichten ausgebildet hat und verfestigt wurde.

Dies Alles ereignete sich zu Zeiten, in denen auf der Erde noch die Dinosaurier lebten. Besonders typische Dino-Formen dieser Zeit waren Flugechsen mit einer Spannweite der Flügel bis zu 15 m! Im Zuge der nachfolgenden Gebirgsbildungsprozesse und nach der Heraushebung aus dem Meer, wurden diese Gesteine verfaltet. In weiterer Folge wurden sie teilweise von den südlich gelegenen Kalkalpen, die sich aus kalkhaltiger Meeresablagerung bildeten, „überschoben“. Das heißt, dass dieses gewaltige Kalkalpenmassiv tatsächlich von Süden her auf die heutigen Voralpen aufgeschoben wurde. Bohrungen in Urmansau konnten unter den Kalkalpen diese Flyschgesteine nachweisen. Ein eindrucksvoller Beweis für die Deckenbau- bzw. Überschiebungsprozesse in den Alpen.
Besonders eindrucksvoll sichtbar ist der Randbereich dieser Überschiebung nahe des Mondsees, wo die Abstürze der Drachenwand eine markante Front der Kalkalpen über dem sanften Flyschglände zeigen. (vgl. Tollmann 1985).

Während einer Wanderung sind diese Flyschgesteine jedoch aufgrund der Vegetation nur selten zu sehen. In Steinbrüchen und bei Wegaufschlüssen werden aber oft diese „Steinplatten“, die auch gerne zu Bauzwecken gewonnen wurden, sichtbar. In Wien wurden beim Bau der Stadbahn vor allem Flyschgesteine aus dem Wienerwald verwendet.

Neben der Wanderung im Flyschbereich werden auf dem 04er aber auch kalkalpine Bereiche durchwandert. Diese Gesteine bildeten sich im Flachwasserbereich, bzw. sind Relikte ehemaliger Riffe in den Meeren aus der Trias, also ca. 250 bis 205 Millionen Jahre alt. Sie wurden, wie erwähnt, durch tektonische Kräfte deckenartig gestapelt und überschoben.

Rechter Hand des Weitwanderweges 04, bzw. Richtung Norden, gehen die Voralpen in die sogenannte Molassezone über. Diese besteht aus Ablagerungen eines viel jüngeren Meeres und enthält schon Abtragungsprodukte der Alpen selbst. Jenseits der Donau ist während der Wanderung auf dem 04er das Mühl- und Waldviertel erkennbar, auf dessen geologischen Aufbau an anderer Stelle verwiesen wird.

Unter folgender Adresse ist eine geologische Karte abrufbar, in der die hier genannten Bereiche blau (Kalkalpen) und grau (Flyschzone) eingezeichnet sind.
Geologische Karte Geologie.ac.at

Autor: Dr. Mag. Mag. Norbert Kohlmayer

Das Foto zeigt den voralpinen Weitwanderweg 04 vor Rabenstein im Mostviertel.

Voralpenweg vor Rabenstein im Mostviertel