Weitwanderweg 07, 14. Etappe, Ernstbrunn - Manhartsbrunn

Die 13. Etappe des OEAV Weitwanderweges 07 endet in Ernstbrunn im Weinviertel. Von hier geht es zu Fuß weiter auf der 14. Etappe bis Manhartsbrunn. Leider ist das Wetter an diesem Tag nicht gerade berauschend für Wanderer. Zudem führt die markierte Strecke über Gebmanns und Hipples bis nach Großrußbach großteils aspaltierten Straßen entlang. In Großrußbach beginnt es zu nieseln. Ich gehe zur nahegelegenen Kirche, an der mein Weiterweg vorbeiführt. Ich mache eine Kirchenbesichtigung in der Hoffnung, daß der nun schon leichte Regen bald aufhört. Der Wetterbericht für diesen Tag hat wenig bis keinen Regen vorhergesagt. Der Aufenthalt in der Kirche dauert jedoch länger als gewollt. Da es nicht aufhört zu regnen, mache ich meinen Rucksack regendicht, ziehe Regenjacke und Kapuze über und setze meine Wanderung fort.

Zunächst geht es ein Stück durch Wald. Im Gebüsch wachsen Knoblauchrauken. Die gezähnten Blätter dieses Kreuzblütlers riechen beim Zerreiben nach Knoblauch. Auf Wanderungen in Österreich kann man sich auch recht schön mit der Flora unseres wunderschönen Landes auseinandersetzen. Ich gehe dann großteils einer Straße entlang durch Hornsburg bis ins Kreuttal. Die Gegend ist menschenleer, die Sicht beträgt 20m. Fotografieren ist bei dem Wetter auch nicht drin. Also mache ich mir Gedanken über das Gehen an sich. Nach ca. einem Drittel meines ersten Weitwanderweges kann ich sagen, dass ich am Gehen Gefallen gefunden habe. Gehen entspannt, ist gesund, stärkt Körper und Psyche. Bei langen, anstrengenden Wanderungen kann man sich durchaus auch in einen tranceähnlichen Zustand hieven. Die Natur zeigt bei jeder Wanderung, was sie an Schönheit und Pracht zu bieten hat.

Viele Erlebnisse und Sinneseindrücke habe ich als Anfänger bereits zu verarbeiten. Mit vielen Menschen habe ich gesprochen, denen ich ohne Wanderung nie begegnet wäre. Einer Freundin sagte ich unlängst bei einem Gespräch über Gewichtsabnahme: "Gehen ist die natürlichste Fortbewegungsart. Radfahren ist eine unnatürliche Fortbewegungsart". An der "Geh-Philosophie" muß ich wohl noch arbeiten. Tatsache ist jedoch: Gehen ist mir zu diesem Zeitpunkt bei Weitem lieber als Radfahren. Soviel kann ich schon mal sagen.
Und: Wanderungen können kreative Auszeiten für Körper, Geist und Seele sein. Allerdings komme ich auch zu der Erkenntnis, dass Gewesenes leicht in Vergessenheit gerät. Hier beginnt mein Entschluß zu reifen, Aufzeichnungen von meinen Wanderungen zu machen.

Der Regen ist nun ziemlich stark und Besserung ist (im wahrsten Sinne des Wortes) keine in Sicht. Der nächste Abschnitt ab der Luisenmühle bis Manhartsbrunn sollte zum Großteil im Wald verlaufen. Ich bin naß und habe daher für heute genug vom Wandern. Am Ortsrand von Unterolberndorf beschließe ich, die Wanderung abzubrechen. Mit dem Postbus geht's von hier bis zur nächsten Schnellbahnstation und dann weiter Richtung Wien. Den restlichen Teil des Weges bis Manhartsbrunn werde ich nachholen. Es ist ja nicht immer alles eitel Wonne und Sonne.

Das Foto unten zeigt die Kirche Großrußbach von innen, mit Blick nach draussen.

Kirche in Großrußbach, Weinviertel, Niederösterreich